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Deutsche Werkzeugmacher – Werkzeugmacher in China. Unterschiede?

Deutsche Werkzeugmacher – Werkzeugmacher in China. Unterschiede?

Ralf Weimar ist erfahrener Projektingenieur und schon einige Jahre in Shanghai bei Schnitzer Group Asia beschäftigt. Nachfolgend erläutert der China Experte die Unterschiede zwischen deutschen und chinesischen Werkzeugmachern (Kunststoffspritzguss) in zwei Kategorien.
Kategorie 1: Bildungssystem Deutschland versus Bildungssystem China
Kategorie 2: Unterschied bei Technologie und Effizienz

Bildungssystem Deutschland versus Bildungssystem China
Das chinesische Schulsystem ist dem Deutschen (Schularten) ähnlich. Während es in Deutschland üblich ist nachzufragen, zu diskutieren, im Transfer zu lernen, „versteht“ man Pädagogik in China eher bücher- und lehrerorientiert. Außerdem bestechen die Lehrinhalte eher in Quantität wie in Qualität. Auch ist Bildung in China nicht kostenlos. Ein „duales“ Ausbildungssystem (Unterricht in der Berufsschule plus Ausbildung im Lehrbetrieb) wie in Deutschland üblich, kennt man in China nicht. Außerdem sind in Deutschland die Qualität und der Umfang des Lehrens in Praxis und Theorie standardisiert. Es gibt einen einheitlichen Bildungs- bzw. Lehrplan mit entsprechenden Prüfungen, die staatlich abgenommen werden.
Bei den Werkzeugmachern in China kommen die Arbeiter aus der Schule oder sogar von der Universität und lernen den Beruf und seinen Prozess mittels „learning by doing“. Abhängig vom Knowhow, Fähigkeit und Motivation des Vermittlers (Kollege/Vorgesetzter) entsteht so die Qualität der nächsten Generation chinesischer Werkzeugmacher. Es gibt keinen festgelegten Ausbildungsstandard in China.

Unterschied bei Technologie und Effizienz
Chinesische Unternehmen setzen heute High-Tech-Werkzeugmaschinen aus Japan oder Deutschland ein. Oft können die chinesischen Mitarbeiter die Technologie der High-Tech Maschinen nicht mehr wie 50% nutzen, was auf die begrenzte Ausbildung zurückzuführen ist. Chinesische Unternehmen verfügen sehr oft über eine höhere Manpower als deutsche Werkzeugmacher. Fehlende Technologie und Effizienz wird mit Arbeitskraft und größerem Maschinenpark ausgeglichen. Es ist ihnen auch möglich ihre Mitarbeiter bei Bedarf 7 Tagen die Woche je 24 Std. arbeiten zu lassen, da die Lohnkosten niedriger sind als in Deutschland. So sind die chinesischen Werkzeugmacher auch schneller in der Lage, Ergebnisse und „FOT-Muster“ zu generieren. Doch braucht es mehr Zeit danach, Werkzeuge zu optimieren, um die Qualität der endgültigen Serienteile zu erreichen. Im Allgemeinen benötigt ein chinesischer Werkzeugbauer mindestens 3-4 Korrekturschleifen, während im Vergleich dazu ein deutscher Werkzeugbauer maximal eine Korrekturschleife benötigt.